STEFAN SCHWEIZER

MÜNCHEN · ISARVORSTADT · FÜNF HORRORGESCHICHTEN

Die Stadt lebt.
Der Friedhof
erinnert sich.

Ein Schritt hinter die Mauer. Ein süßer Duft. Und plötzlich ist München nicht mehr die Stadt, die du kennst.

ALTER MÜNCHNER SÜDFRIEDHOF
Fünf Grusel und Horrorgeschichten · Stefan Schweizer

BEVOR DIE TORE SCHLIESSENEin literarischer Gang ins Dunkel

01 / HINTER DER MAUER

Du kennst München.
Aber kennst du seine Stille?

Draußen fährt ein Wagen an.
Drinnen gibt Kies unter deinen Schuhen nach. Schon nach wenigen Schritten hörst du deine eigene Bewegung deutlicher als die Stadt.

Der Alte Südliche Friedhof liegt mitten in der Isarvorstadt. Ein Ort für eine Pause, einen Umweg, einen Blick auf einen verwitterten Namen. Man kann ihn durchqueren und an den nächsten Termin denken. Bis etwas den Blick festhält.

Stefan Schweizers fünf Grusel- und Horrorgeschichten beginnen genau dort: im vertrauten München, an einem gewöhnlichen Nachmittag. Menschen arbeiten, messen, forschen und versuchen zu helfen. Dann antwortet der Ort auf eine Weise, für die kein Plan eine Erklärung hat.

Wer diesen Friedhof kennt, bringt eigene Bilder mit. Dieses Buch legt etwas unter sie, das beim nächsten Spaziergang mitgeht.

5Geschichten, ein Schauplatz
1563Der Beginn des realen Friedhofs
175Arkaden im historischen Entwurf

AUS „BEVOR DIE TORE SCHLIESSEN“

„Es braucht keine Gleichgültigkeit, um einen Menschen ein zweites Mal zu verlieren. Ein gewöhnlicher Nachmittag genügt.“
Stefan Schweizer

02 / FÜNF WEGE INS DUNKEL

Was dich
hinter den Toren erwartet.

Fünf eigenständige Geschichten. Fünf Menschen, deren Alltag kippt.
Und ein Friedhof, der sie auf leise Weise miteinander verbindet.

01Das Konvallatoxin-Netz02Das Trümmerziegel-Opfer03Das ungesühnte Beichtgeheimnis04Die Rettungsglocke von Arkade 4205Die Liturgie der schwarzen Galle
IGESCHICHTE 01

Botanischer Körperhorror

Wenn das Schöne
nach dir greift.

Das Konvallatoxin-Netz

Dr. Valerie Lindner und ihre studentische Hilfskraft Lea erfassen einen Maiglöckchenbestand. Keine Fliege landet zwischen den weißen Blüten. Unter der Erde liegt ein Gewebe, das sich nicht wie eine Pflanze verhält. Und die rote Linie in einer Probe beginnt, im Takt von Valeries Herz zu schlagen.

Eine Botanikerin. Ein stilles Beet. Ein fremder Puls.

IIGESCHICHTE 02

Architektonischer Horror

Ein Raum, der
nicht da sein darf.

Das Trümmerziegel-Opfer

Fabian vermisst die wiederaufgebauten Mauern für seine Masterarbeit. Seine Daten zeigen ein Gewölbe, das auf keinem Plan steht. Nora mahnt zur Prüfung; draußen ist nur Mauerwerk zu sehen. Doch hinter einer warmen Fuge beginnt etwas zu klopfen.

175 historische Arkaden. Ein überzähliger Raum.

IIIGESCHICHTE 03

Religiöser & psychologischer Horror

Manche Stimmen
hören niemals auf.

Das ungesühnte Beichtgeheimnis

Am Nachmittag vor Allerseelen besucht Priester Thomas mit Elena historische Familiengräber. Eine Stimme nennt ihn Vater. Hinter einem Tor warten Menschen, die etwas zu beichten haben. Bald tragen ihre Worte ein ganzes fremdes Haus in seinen Körper.

Ein Priester. Fünf Gestalten. Kein letzter Satz.

IVGESCHICHTE 04

Klaustrophobischer Horror

Wenn Hilfe
von unten ruft.

Die Rettungsglocke von Arkade 42

Restaurator Martin bleibt nach Feierabend bei einem beschädigten Malereirest. Eine kleine Glocke klingelt. Ihr Zugdraht führt durch den Steinboden in einen Schacht. Unter einer Platte liegt ein Sarg. Dann hört Martin das Wort, das alles verändert: Bitte.

Ein Zugdraht. Eine Zinkwanne. Der Abstand zur Luft.

VGESCHICHTE 05

Medizinischer & ritueller Horror

Was bleibt,
wenn nichts endet?

Die Liturgie der schwarzen Galle

Medizinstudentin Clara untersucht alte Beschriftungen und unklar zugeordnete Archivblätter. Eine Zeichnung führt zum Südfriedhof. Hinter einer beschädigten Mauer wartet ein Raum, in dem Aufbewahrung längst eine andere Bedeutung bekommen hat. Und ein Buch ohne Spalte für die Entlassung.

Eine Forscherin. Vier Bottiche. Eine leere Namenszeile.

03 / SPUREN ZWISCHEN DEN GESCHICHTEN

Ein Duft.
Ein Riss.
Ein Zusammenhang.

Einzelne Geschichten lassen sich für sich lesen. Wer alle fünf durchquert, bemerkt, wie sich dieselben Details verändern – und wie aus Beobachtungen eine größere Unruhe wird.

Eine namenlose Platte. Ein beschädigter Stern. Ein Riss, der in einem kleinen Loch endet. Jedes neue Hinsehen hinterlässt eine andere Frage.

01

Die Maiglöckchen

Weiße Blüten, schwerer Duft, zarte Glocken. Ihre Schönheit begleitet das Unheimliche durch die Erzählungen.

02

Die beschädigte Grabplatte

Etwas bleibt erkennbar, obwohl die Inschrift sich dem sicheren Lesen entzieht. Mehr soll hier noch nicht verraten werden.

03

Die fehlende Antwort

Ein Name, ein Signal, ein Satz: Menschen wollen gehört werden. Die Geschichten fragen, was geschieht, wenn die Antwort ausbleibt.

04 / DER WIRKLICHE ORT

Münchens Geschichte.
In Stein eingeschrieben.

Bevor die Fiktion beginnt, führt die Einleitung durch die Geschichte des Alten Südlichen Friedhofs. Diese Zeitleiste folgt den historischen Angaben und Quellen des Manuskripts.

  1. 1563

    Draußen vor der Stadt

    Während einer Pestepidemie wird der Friedhof außerhalb der damaligen Stadtmauern angelegt. Was heute mitten im Alltag liegt, beginnt jenseits der Grenze Münchens.

  2. 1789

    Ein neuer Weg für die Toten

    Bestattungen innerhalb der Stadtmauern werden allgemein verboten. Der Südliche Friedhof wird zum zentralen Begräbnisort der Stadt.

  3. 1850

    Gärtners Campo Santo

    Die südliche Erweiterung wird eingeweiht. Friedrich von Gärtners annähernd quadratischer Entwurf umfasst ursprünglich 175 Rundbogenarkaden.

  4. 1854

    Ein Sommer der Cholera

    Die Epidemie kostet in München mehr als zweitausend Menschen das Leben. Diese Geschichte bildet einen Hintergrund für zwei Erzählungen des Buches.

  5. 1943

    Zerstörung und Verlust

    Luftangriffe beschädigen Mauern, Arkaden und Grabmäler. Ende des Jahres wird der Bestattungsbetrieb eingestellt.

  6. 1950er

    Die Spuren bleiben sichtbar

    Hans Döllgast gestaltet die beschädigte Anlage in vereinfachter Form neu. Früherer Entwurf und heutiger Bestand sind unterschiedliche Zustände desselben Ortes.

Ein Friedhof. Zwei historische Teile.

Der Erweiterungsteil aus dem 19. Jahrhundert gehört zum Alten Südlichen Friedhof in der Isarvorstadt. Der Neue Südfriedhof in Perlach ist ein anderer Ort. Auch die 175 Arkaden bezeichnen den historischen Entwurf – keinen heute vollständig erhaltenen Rundgang.

ZWISCHEN ALLTAG UND ABGRUND

Der nächste Spaziergang
beginnt anders.

Vielleicht hältst du an einer Fuge länger inne.
Vielleicht hörst du genauer hin.
Vielleicht ist es nur ein Zweig auf dem Kies.

05 / LIES, BEVOR DU WEITERGEHST

Die ersten Seiten.
Der erste leise Zweifel.

Die Einleitung und der Beginn jeder Geschichte – im Originalwortlaut.
Wähle deinen Einstieg. Die Enden bleiben im Buch.

LESEPROBE

ORIGINAL AUS DEM MANUSKRIPT · Einleitung · I

Bevor die Tore schließen

Wer den Alten Südlichen Friedhof betritt, bringt die Stadt zunächst mit hinein. Das Geräusch eines anfahrenden Wagens bleibt noch eine Weile im Ohr, eine angefangene Nachricht auf dem Telefon, der Gedanke an etwas, das vor dem Abend erledigt werden muss. Hinter dem Eingang verändert sich der Untergrund. Kies gibt unter den Schuhen nach. Schon nach wenigen Schritten hört man die eigene Bewegung deutlicher als zuvor.

Man muss deshalb nicht langsamer werden. Es lässt sich hier ebenso gut an etwas anderes denken wie auf jedem Weg durch München. Zwischen den Bäumen fällt Licht auf die Grabsteine. Weiter vorn sitzt jemand auf einer Bank. Ein Kinderwagen rollt vorbei, und an einer Wegkreuzung bleiben zwei Menschen stehen, um sich darüber zu verständigen, in welche Richtung sie gehen wollen. Die Toten verlangen keine Aufmerksamkeit. Man kann an ihnen vorübergehen, ohne einen einzigen Namen zu lesen.

Vielleicht ist es ein schräger Sonnenstrahl, der den Blick schließlich festhält. Er liegt so flach auf einer Inschrift, dass die Vertiefungen plötzlich Schatten werfen. Was eben noch eine unruhige Steinfläche war, wird zu Buchstaben. Ein Vorname lässt sich entziffern, darunter eine Jahreszahl. Beim Familiennamen fehlt ein Stück. Man neigt den Kopf, tritt ein wenig zur Seite und versucht es noch einmal, als könnte ein anderer Winkel die verlorene Silbe zurückbringen.

Für einen Augenblick erhält dieser Mensch einen Platz im eigenen Nachmittag. Man rechnet sein Alter aus. Neunzehn. Oder dreiundachtzig. Eine solche Zahl scheint etwas zu erklären, solange man nicht darüber nachdenkt, wie wenig sie erklärt. Sie sagt nichts darüber, worüber jemand lachen musste, was er bereute oder ob er morgens gern früh aufstand. Hinter den Ziffern liegt ein ganzer Alltag, und von ihm ist an dieser Stelle fast nichts mehr zu erfahren.

Der Blick wandert zum nächsten Stein. Manche Inschriften lassen sich ohne Mühe lesen. Andere geben nur noch einzelne Wörter frei. Bei einer Figur fehlen Finger, an einer Kante sitzt Moos. Weiter unten hat sich Erde gesammelt. Es sind kleine Veränderungen, von denen keine laut genug geschieht, um bemerkt zu werden. Niemand steht daneben, wenn der Regen einen Buchstaben um den letzten Rest seiner Schärfe bringt.

An einem späten Nachmittag kann die Ruhe hier etwas Selbstverständliches haben. Man findet eine Bank im Schatten, legt die Tasche neben sich und sieht zu, wie das Licht auf dem Weg weiterwandert. Von draußen kommt eine Stimme, dann das Rollen von Reifen. Die Mauer hält die Stadt nicht vollständig fern. Sie gibt ihr nur eine andere Entfernung. München bleibt nah genug, um jederzeit wieder hineinzutreten.

Dieser Friedhof liegt heute in der Isarvorstadt, mitten im gewachsenen Stadtgebiet. Wer von seinem neuen Teil spricht, meint die Erweiterung des neunzehnten Jahrhunderts. Sie gehört zum Alten Südlichen Friedhof. Der Neue Südfriedhof in Perlach ist ein anderer Ort, entstanden mehr als ein Jahrhundert später. Die ähnlichen Namen können verwirren; hier wird durch eine Anlage gegangen, deren Geschichte bis ins Jahr 1563 zurückreicht. [1, 2]

So weit zurück denkt man beim ersten Besuch selten. Zunächst genügen die Bäume und die Wege. Vielleicht sucht man ein bestimmtes Grab, vielleicht nur ein Stück Ruhe zwischen zwei Terminen. Die meisten Steine bleiben dabei am Rand des Blicks. Ihre Menge macht es leicht, sie als Landschaft wahrzunehmen. Erst ein einzelner lesbarer Name löst wieder jemanden aus dieser Menge heraus.

Und selbst dann bleibt die Begegnung kurz. Das Telefon vibriert. Auf dem benachbarten Weg bewegt sich etwas. Man steht auf und geht weiter. Der eben gelesene Name begleitet einen noch bis zur nächsten Abzweigung; dort beginnt er schon zu verblassen. Es braucht keine Gleichgültigkeit, um einen Menschen ein zweites Mal zu verlieren. Ein gewöhnlicher Nachmittag genügt.

Hier endet die Leseprobe. Im Buch geht es weiter.Alle fünf Geschichten entdecken

06 / FÜR DEINEN NÄCHSTEN LESEABEND

Für alle, die München
auch im Dunkeln lesen.

Ein Buch für Menschen, die Orte nicht nur besuchen, sondern ihre Schichten spüren wollen.

Für Münchner

Die Stadt bleibt nah: Verkehr hinter der Mauer, Kieswege, ein Friedhof mitten im gewachsenen Stadtgebiet. Das Unheimliche beginnt in einer Umgebung, die du dir nicht erst vorstellen musst.

Für Horrorleser

Botanischer Körperhorror, unmögliche Architektur, quälende Stimmen, Sargenge und eine entstellte medizinische Bewahrung. Jede Geschichte findet ihre eigene Form des Schreckens.

Für aufmerksame Leser

Menschen behalten Namen, Fotos und Notizen. Kleine Gesten werden wichtig. Unter der Angst liegen Trauer, Schuld und die Frage, wie viel von einem Menschen verloren gehen kann.

07 / DER AUTOR

Stefan
Schweizer.

Fünf Geschichten über Menschen,
die nicht einfach verschwinden wollen.

In diesem Band verbindet Stefan Schweizer eine historisch belegte Einführung mit fünf erfundenen Horrorhandlungen. Die Figuren versuchen zu beobachten, zu dokumentieren, zuzuhören und zu helfen. Gerade diese alltäglichen Fähigkeiten führen sie an Grenzen, an denen das Vertraute nicht mehr trägt.

Der Friedhof ist dabei mehr als eine Kulisse: Seine Mauern, Pflanzen und beschädigten Zeichen geben den Geschichten ihren Rhythmus.

08 / BEVOR DU DAS BUCH AUFSCHLÄGST

Was du wissen möchtest.

Sind das echte Münchner Spukgeschichten?

Die fünf Geschichten sind literarische Fiktion. Figuren, Spukereignisse, unterirdische Räume, die wechselnde Grabinschrift und die Rettungsglocke sind erfunden. Sie werden im Buch ausdrücklich nicht als dokumentierte lokale Überlieferungen ausgegeben.

Wie hängen die Geschichten zusammen?

Sie teilen den Alten Südlichen Friedhof als Schauplatz und wiederkehrende Motive. Jede erzählt einen eigenen Konflikt. Die Maiglöckchen, eine beschädigte Grabplatte und das Bedürfnis, gehört zu werden, verbinden den Band. Die entscheidende Auflösung wird hier nicht vorweggenommen.

Muss ich den Friedhof kennen?

Nein. Die Einleitung führt an den realen Ort und durch seine historische Entwicklung. Wer ihn bereits kennt, kann die vertrauten Wege mit eigenen Erinnerungen füllen.

Wie intensiv ist der Horror?

Die Geschichten enthalten unter anderem Körperhorror, Kontrollverlust, Gefangenschaft, Sargenge und gewaltsame medizinische Eingriffe. Der Band richtet sich an erwachsene Leser, die intensive Horrorhandlungen mögen.

Wie finde ich das Buch?

Mit dem Titel „Alter Münchner Südfriedhof“, dem Autor Stefan Schweizer oder der ISBN 9798160771557. Die Schaltfläche in der Buchsektion öffnet eine Amazon-Suche nach dieser ISBN. Dort lassen sich Angebot und Preis prüfen.

Buchcover Alter Münchner Südfriedhof: dunkle Arkaden, weiße Maiglöckchen und rötliche Wurzeln im MauerwerkFÜNF GESCHICHTEN. EIN MÜNCHEN, DAS NACHHALLT.

09 / NIMM DAS DUNKEL MIT NACH HAUSE

Alter Münchner
Südfriedhof.

Fünf Grusel und Horrorgeschichten

Von Stefan Schweizer

Ein warmer Maitag. Ein Nachmittag vor Allerseelen. Eine Stunde nach Feierabend. Fünfmal scheint noch genug Zeit zu sein. Fünfmal wird aus einem vertrauten Ort etwas, das sich nicht mehr verlassen lässt, wie man es betreten hat.

Wenn du wissen willst, was unter den weißen Blüten liegt, wer hinter der warmen Fuge klopft und wem die Glocke wirklich antwortet: Die nächsten Seiten warten im Buch.

Inhalt
Historische Einleitung & fünf Horrorgeschichten
Autor
Stefan Schweizer
ISBN
9798160771557
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BEVOR DIE TORE SCHLIESSEN

Draußen ist München.
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