Stefan SchweizerAUTOR · BÜCHER · PERSPEKTIVEN
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Ein wenig freier

Ein Spaziergang ohne Ausbeute.

Kein Schrittziel, kein Podcast, kein Foto. Was bleibt von einer Runde, die nichts liefern muss?

Stefan Schweizer · ca. 2 Minuten Lesezeit

Alles gleichzeitig

Du gehst noch schnell eine Runde. Bewegung tut schließlich gut, und den angefangenen Podcast könntest du dabei zu Ende hören. Vielleicht nimmst du auch den Umweg zum Laden. Dann wäre der Einkauf ebenfalls erledigt.

Nach einer halben Stunde kommst du zurück. Du hast dich bewegt, etwas gehört und Brot besorgt. Das kann genau der richtige Spaziergang gewesen sein. Nur die Frage, wie es draußen eigentlich war, lässt sich erstaunlich schwer beantworten. Kalt vermutlich. Oder schon milder?

Es gibt Tage, an denen selbst der Weg vor die Tür mehrere Aufgaben erfüllen soll. Die freie Zeit bekommt eine so gute Organisation, dass kaum noch etwas Ungeplantes darin vorkommt.

Die langweilige erste Straße

Du könntest einmal ohne Begleitprogramm losgehen. Für eine kurze Strecke, auf einem Weg, den du kennst. Das Telefon darf für Erreichbarkeit in der Tasche bleiben. Es muss den Spaziergang bloß nicht beschäftigen.

Womöglich ist die erste Straße langweilig. Deine Gedanken laufen weiter durch die offenen Aufgaben. Du erinnerst dich an eine Nachricht und würdest am liebsten sofort antworten. Auch das gehört zu dieser Runde. Du musst nicht nach zweihundert Metern besonders achtsam oder tiefenentspannt geworden sein.

Irgendwann bemerkst du vielleicht etwas Banales: Ein Bauzaun steht anders. In einem Fenster hängt noch derselbe Papierstern wie im Januar. Ein Hund weigert sich beharrlich, um die Ecke zu gehen. Dein Weg enthält kleine Ereignisse, die in keinem Wochenrückblick auftauchen werden.

Wieder zu Hause

Es wäre einfach, auch daraus eine neue Vorgabe zu machen. Täglich ohne Kopfhörer gehen. Drei Entdeckungen notieren. Die Qualität der Entspannung messen. Doch damit hätte die Runde schon wieder einen Bericht abzuliefern.

Vielleicht reicht ein einzelner Versuch. Du gehst, solange es zu deinem Tag und deinen Möglichkeiten passt. Wenn Gehen gerade nicht möglich ist, kann es auch ein paar Minuten am offenen Fenster geben, ohne nebenbei etwas anzuhören. Kein Leistungsnachweis, keine besondere Haltung.

Später fragt jemand, was du gemacht hast. „Ich war draußen“, sagst du. Und falls du nichts Bemerkenswertes zu erzählen hast, braucht die Antwort keinen Nachtrag. Der Weg hat stattgefunden. Vor dem Haus ist es tatsächlich milder geworden.

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