Der Anruf am Freitag
Eine frühere Kollegin erzählt vom gemeinsamen Mittagessen. Du hörst die vertrauten Namen, kennst die kleinen Konflikte und kannst dir genau vorstellen, wer welchen Witz gemacht hat. Für einen Moment möchtest du wieder dort sitzen.
Dabei bist du froh, dass du gegangen bist. Deine Abende gehören dir häufiger, die neue Aufgabe passt besser zu deinem Alltag. Trotzdem fehlt dir etwas. Und schon beginnt die Frage, ob deine Entscheidung vielleicht falsch war.
Abschiede nehmen selten nur das Schwierige mit. Sie beenden auch Gewohnheiten, beiläufige Begegnungen und das angenehme Gefühl, sich an einem Ort auszukennen.
Was vermisst du genau?
Vielleicht vermisst du nicht die ganze frühere Situation. Vielleicht vermisst du drei Menschen, einen vertrauten Arbeitsweg oder den Moment, in dem du eine Aufgabe ohne langes Nachdenken lösen konntest.
Es kann helfen, diese Dinge einzeln zu benennen. Manche lassen sich in anderer Form erhalten. Ein gemeinsamer Kaffee braucht nicht unbedingt denselben Arbeitgeber. Andere gehen tatsächlich verloren. Nicht jede Verbindung trägt über eine veränderte Lebensphase hinweg.
In QUIT steht im Prolog, dass wir manches vermissen werden, das wir zu Recht verlassen haben. Darin liegt keine Garantie für die Richtigkeit eines bestimmten Abschieds. Es ist eine Einladung, gemischte Erfahrungen auszuhalten, ohne sie sofort in ein eindeutiges Urteil zu verwandeln.
Eine Erinnerung ist noch kein Plan
Wenn du ernsthaft über eine Rückkehr nachdenkst, lohnt sich ein Blick auf die ganze damalige Lage. Welche Gründe hatten dich zum Gehen bewogen? Bestehen sie noch? Was wäre heute tatsächlich anders?
Ein schöner Nachmittag in deiner Erinnerung beantwortet diese Fragen ebenso wenig wie ein schlechter Tag in deinem neuen Alltag. Beides gehört dazu, keines davon muss allein entscheiden.
Du darfst dich über eine Nachricht aus deinem früheren Leben freuen. Du darfst traurig sein, dass du manches nicht mehr teilst. Ein Abschied verlangt nicht, dass du anschließend alles daran gleichgültig findest.