Noch einmal, bitte
Das Licht fällt durch ein Caféfenster auf zwei Tassen. Eine Hand liegt neben dem Teller, draußen geht jemand mit einem riesigen Blumenstrauß vorbei. Du machst ein Foto. Dann schiebst du den zerknüllten Kassenzettel aus dem Bild und machst noch eins.
Bis hierhin ist daran wenig bemerkenswert. Ein Bild zu gestalten kann Freude machen. Interessant wird der nächste Moment: Du überlegst, welche Beschreibung dazu passt. Ob der Ort gut erkennbar ist. Ob die Menschen, die es sehen, verstehen werden, wie schön dieser Nachmittag gerade ist.
Die Person gegenüber hat unterdessen weitererzählt. Du hast den letzten Satz nicht ganz mitbekommen.
Der unsichtbare Gast
Eine mögliche Öffentlichkeit kann schon mit am Tisch sitzen, bevor überhaupt etwas veröffentlicht wurde. Sie fragt nach dem richtigen Ausschnitt. Nach einer witzigen Formulierung. Nach der Version des Tages, die sich gut zeigen lässt.
Das muss den Nachmittag nicht ruinieren. Bilder können Erinnerungen bewahren, Nähe über Entfernung schaffen und Menschen an etwas Schönem teilhaben lassen. Manchmal ist das Teilen selbst Teil der Freude. Die Frage ist, ob du noch wählen kannst, was du für dich behalten möchtest.
Vielleicht kennst du diesen winzigen Stich, wenn ein guter Moment keine brauchbare Aufnahme ergibt. Das Licht zu dunkel, das Gesicht unscharf, die Stimmung nicht zu erkennen. Dabei war der Moment vorher vollständig. Das Foto hat nur eine zusätzliche Aufgabe bekommen: Es soll bestätigen, dass etwas Schönes stattgefunden hat.
Im eigenen Album
Du könntest ein Bild aufnehmen, für das von Anfang an kein Publikum vorgesehen ist. Es darf schlecht belichtet sein. Es braucht keinen passenden Satz und keine Entscheidung darüber, wann es am besten veröffentlicht wird.
Vielleicht fotografierst du die beiden Tassen samt Kassenzettel. Vielleicht den Blumenstrauß, der schon fast aus dem Bild verschwunden ist. Später erinnerst du dich gerade wegen dieses schiefen Ausschnitts an das Gespräch.
Und wenn du das Handy einmal in der Tasche lässt, verschwindet der Nachmittag nicht einfach. Du nimmst andere Einzelheiten mit: die raue Tischkante, einen unerwarteten Satz, den Geschmack des letzten Schlucks Kaffee. Nicht alles davon lässt sich vorzeigen. Es gehört trotzdem zu deinem Leben. Die Person gegenüber erzählt gerade etwas. Du bist wieder da.