Stefan SchweizerAUTOR · BÜCHER · PERSPEKTIVEN
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Halloween & Grusel · 03 / 10

Eine Glocke. Und kein sichtbarer Rufer.

Manche Geräusche verlangen eine Antwort. Genau darin liegt ihr unheimliches Potenzial.

Stefan Schweizer · · ca. 2 Minuten Lesezeit

Ein Ton richtet sich an jemanden

Ein Knacken im Holz kann vieles bedeuten. Eine Glocke wirkt oft bestimmter. Jemand läutet, jemand soll aufmerksam werden. Auch wenn wir die Ursache noch nicht sehen, hören wir eine mögliche Absicht. Der Ton macht uns zu Angesprochenen.

In einer Gruselgeschichte lässt sich damit eine ganze Entscheidung vorbereiten. Die Figur kann das Geräusch ignorieren. Aber was, wenn jemand Hilfe braucht? Sie kann nachsehen. Aber wohin führt der Ton? Schon bevor etwas Übernatürliches sichtbar wird, steht sie vor einer Verantwortung.

Der Draht führt nach unten

In „Die Rettungsglocke von Arkade 42“ bleibt Restaurator Martin nach Feierabend bei einem beschädigten Malereirest am Alten Münchner Südfriedhof. Eine kleine Glocke klingelt. Ihr Zugdraht führt durch den Steinboden in einen Schacht. Unter einer Platte liegt ein Sarg. Dann hört Martin eine Bitte.

Die Anordnung dieser Dinge ist entscheidend: oben ein hörbares Signal, unten eine verborgene Quelle, dazwischen eine Verbindung, der man folgen könnte. Ein Draht ist etwas Handfestes. Er scheint die Möglichkeit einer Erklärung anzubieten. Gerade dadurch wird das Nachsehen plausibel.

Der Schrecken dieser Ausgangslage hängt auch daran, dass Helfen eine gute Absicht ist. Die Frage, ob Martin sich nähern soll, lässt sich nicht bequem mit dem Hinweis erledigen, er möge einfach vernünftig sein.

Wenn eine zweite Glocke antwortet

Auch „Das Geläut aus dem Schilf“ aus „Grauen im Bayerischen Wald“ beginnt mit einem Glockenmotiv. Julian hat eine Altarglocke versehentlich im Rucksack behalten. Zwischen den Weihern antwortet eine zweite Glocke. Aus einem Gegenstand, den er zurückbringen könnte, wird eine Verbindung zu etwas Unbekanntem.

Die beiden Geschichten laden zu einem Vergleich ein: Einmal führt der Klang nach unten, einmal scheint er aus einer Landschaft zu antworten. In beiden Fällen verändert er den Ort, an dem eine Figur gerade steht.

Vielleicht achtest du bei deiner nächsten Grusellektüre auf solche Geräusche. Wer hört sie zuerst? Wer reagiert darauf? Und wie lange lässt dich die Geschichte warten, bevor du ihre Quelle kennenlernst?

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