Stefan SchweizerAUTOR · BÜCHER · PERSPEKTIVEN
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Halloween & Grusel · 02 / 10

Im Rückspiegel ist noch jemand.

Ein Auto verspricht Abstand zur Dunkelheit. Was passiert, wenn die Geschichte diesen Abstand aufhebt?

Stefan Schweizer · · ca. 2 Minuten Lesezeit

Ein kleiner Raum auf Rädern

Du schließt die Autotür. Das Geräusch ist kurz und eindeutig. Draußen sind Bäume, Wind und eine Straße, die hinter der nächsten Kurve verschwindet. Drinnen leuchtet das Armaturenbrett. Du kennst die Knöpfe, den Sitz, das Geräusch der Lüftung. Alles hat seinen Platz.

Diese überschaubare Ordnung macht das Auto zu einem besonderen Schauplatz für Horror. Es bewegt sich durch eine Umgebung, die du nur ausschnittweise siehst. Die Scheinwerfer zeigen den Weg voraus. Die Spiegel zeigen etwas anderes. Und auf beides gleichzeitig kannst du deine Aufmerksamkeit nicht richten.

Eine Begegnung, die nicht zurückbleibt

In „Der Weg hinter dem Rückspiegel“, einer der fünf Erzählungen aus „Grauen im Bayerischen Wald“, fährt Eva als ambulante Pflegekraft auch nach Einbruch der Dunkelheit. Am Straßenrand steht ein Mann mit einer Einkaufstüte. Nach jeder Kurve ist er noch immer im Rückspiegel. Irgendwann raschelt es auf der Rückbank.

Schon dieser Ausgangspunkt verschiebt die Bedeutung des Fahrens. Normalerweise schafft Bewegung Abstand. Was du passiert hast, bleibt zurück. Wenn eine Begegnung diesem einfachen Ablauf nicht folgt, wird jede weitere Kurve zur Frage. Führt die Straße wirklich weiter? Und woran würdest du erkennen, dass du etwas längst mitgenommen hast?

Der Blick dauert nur eine Sekunde

Ein Rückspiegel bietet wenig Fläche. Gerade deshalb können kleine Veränderungen darin Gewicht bekommen. Ein Umriss, der vorher fehlte. Eine Entfernung, die nicht größer wird. Der Text braucht an dieser Stelle keine vollständige Erklärung. Er braucht eine Figur, die einen Grund hat, noch einmal hinzusehen.

Bei Eva kommt ihr Beruf hinzu. Eine hilfsbedürftige Person am Straßenrand ist für sie eine Begegnung mit einer menschlichen Frage. Weiterfahren, anhalten, helfen: Keine Entscheidung muss gedankenlos sein, damit eine Geschichte gefährlich wird.

Achte beim Lesen darauf, wann du selbst den Blick abwenden möchtest. Manchmal entsteht die stärkste Spannung zwischen zwei sehr einfachen Bewegungen: nach vorn sehen und noch einmal in den Spiegel schauen.

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